
Lukas Radbruch, Friedemann Nauck, Rainer Sabatowski
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert
Palliativmedizin wie folgt:
Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von
Patienten, mit einer progredienten, weit fortgeschrittenen
Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in
der die Erkrankung nicht mehr auf kurative Behandlung anspricht
und die Beherrschung der Schmerzen, anderer
Krankheitsbeschwerden, psychologischer, sozialer und
spiritueller Probleme höchste Priorität besitzt.
Die Definition der European Association for Palliative Care (EAPC)
lautet ähnlich:
Palliativmedizin ist die angemessene medizinische Versorgung von
Patienten mit fortgeschrittenen und progredienten Erkrankungen,
bei denen die Behandlung auf die Lebensqualität zentriert ist
und die eine begrenzte Lebenserwartung haben (obwohl die
Lebenserwartung gelegentlich mehrere Jahre betragen kann).
Palliativmedizin schließt die Berücksichtigung der Bedürfnisse
der Familie vor und nach dem Tod des Patienten ein.
Die Definition der Deutschen Gesellschaft für
Palliativmedizin (DGP) entspricht im Wesentlichen der
WHO-Definition, ist aber wesentlich kürzer:
Palliativmedizin ist die Behandlung von Patienten mit einer
nicht heilbaren progredienten und weit fortgeschrittenen
Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel
der Begleitung die Lebensqualität ist.
Palliativmedizin soll sich dabei nicht auf die letzte
Lebensphase beschränken. Viele Grundsätze der Palliativmedizin
sind auch in frühen Krankheitsstadien zusammen mit der kausalen
Therapie anwendbar. Palliative Zielsetzungen können in
verschiedenen organisatorischen Rahmen sowohl im ambulanten wie
im stationären Bereich verfolgt werden.
Palliativstationen und Stationäre Hospize
ermöglichen eine Behandlung bei Patienten, die im ambulanten
Bereich nicht ausreichend zu behandeln sind oder dort nicht mehr
versorgt werden können. Tageshospize bieten vor allem die
Möglichkeit der psychosozialen Betreuung, aber auch medizinische
und pflegerische Maßnahmen (z.B. Verbandswechsel, Infusionen,
Injektionen) können in einzelnen Fällen dort durchgeführt
werden.
Die umfassende Betreuung des Patienten und der Angehörigen
erfordert ein multidisziplinäres Team, zu dem neben
Pflegepersonal und Ärzten auch Sozialarbeiter, Psychologen,
Seelsorger und Physiotherapeuten gehören. Neben den hauptamtlich
tätigen Mitarbeitern ist die Integration ehrenamtlicher
Mitarbeiter für das Selbstverständnis des Hospizgedankens
wichtig. Vor allem Laien, Mitglieder von Hospizinitiativen oder
Angehörige ehemals betreuter Patienten gehören zu dieser Gruppe.
Von einigen Einrichtungen werden „Trauergruppen“ angeboten. Sie
begleiten und unterstützen die Trauerarbeit der Hinterbliebenen.
Ist eine zufrieden stellende Symptomkontrolle erreicht, sollte
dem Patienten – falls erwünscht – ermöglicht werden, seinen
letzten Lebensabschnitt in der vertrauten häuslichen Umgebung zu
verbringen. Ambulante Dienste helfen, dieses den
Patienten zu ermöglichen. Sie begleiten Patienten und
Angehörige, helfen bei der häuslichen Palliativpflege und
koordinieren die verschiedenen ärztlichen, pflegerischen und
sozialen Dienste. Die Angebote der einzelnen Dienste sind sehr
unterschiedlich und reichen von der psychosozialen Betreuung bis
hin zu einer umfangreichen medizinischen Versorgung. Eine
qualifizierte Ausbildung in Palliativpflege und Symptomkontrolle
ist dafür Voraussetzung. Die Arbeit der ambulanten Dienste ist
ohne ehrenamtliche Helfer nicht denkbar, da in der Regel nur
wenige hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt sind. Für ambulante
Palliativdienste sind ein hauptamtliches Team und die
Erreichbarkeit rund um die Uhr zu fordern. Nur wenige ambulante
Einrichtungen erfüllen zurzeit in Deutschland diese Kriterien.
In Anlehnung an die bereits 1977 von Dame Cicely Saunders
erhobenen Forderungen können die Aufgaben der
palliativmedizinischen Einrichtungen in den verschiedenen
Umgebungen zusammengefasst werden:
- Behandlung der Patienten mit einem „high-person,
low-technology“-Ansatz.
- Ein multidisziplinäres Team für die kontinuierliche
Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen.
- Forschung, Dokumentation und Auswertung der
Behandlungsergebnisse.
- Unterricht und Ausbildung von Ärzten, Pflegepersonal,
Sozialarbeitern und Seelsorgern.
Ziel der Palliativmedizinischen und hospizlichen Behandlung
ist die Verbesserung oder Erhaltung der Lebensqualität – nicht
eine Lebensverlängerung um jeden Preis.
Palliativmedizin und Hospizidee stellen ein Gesamtkonzept
dar, das sich aus folgenden Inhalten zusammensetzt:
- Optimale Schmerztherapie und Symptomkontrolle
- Integration der psychischen, sozialen und spirituellen
Bedürfnisse der Patienten, der Angehörigen und des
Behandlungsteams sowohl in der Phase der Erkrankung als auch
beim Sterben des Patienten und in der Zeit danach
- Kompetenz in wichtigen Fragen der Kommunikation und Ethik
- Akzeptanz des Todes als Teil des Lebens. Durch eine
eindeutige Bejahung des Lebens soll der Tod weder beschleunigt
noch hinausgezögert werden. Palliativmedizin ist eine
eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe
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