Christine
PfefferBei der Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz
(BAG Statistik) handelt es sich um eine Eckdatendokumentation
von rund 6.589 Sterbefällen aus insgesamt 107 Einrichtungen der
ambulanten und stationären Hospizversorgung in Deutschland. Die
Statistik wurde 2002 zum ersten Mal erhoben und seither mit
kleinen Änderungen des Erhebungsinstrumentes kontinuierlich
durchgeführt. Auswertungseinheit sind die Begleitungen pro Jahr,
die in den teilnehmenden Einrichtungen durchgeführt wurden. Die
BAG Statistik ist eine Vollerhebung in den jeweiligen
Einrichtungen. Die teilnehmenden Einrichtungen füllen pro
Begleitung einen einseitigen Fragenbogen zu Merkmalen des
Patienten und den Leistungen in der Begleitung aus. Um den
jeweiligen Besonderheiten der ambulanten bzw. stationären
Begleitung gerecht zu werden, wurden unterschiedliche Bögen für
den ambulanten und den stationären Bereich verwendet, die einige
gleiche bis ähnliche Fragen enthalten, in anderen jedoch die
Spezifik der ambulanten bzw. stationären Betreuungssituation
abbilden.1
Im ambulanten Bereich wurden 3.469 Begleitungsfälle aus 74
Einrichtungen dokumentiert, im stationären Bereich 3.120
Begleitungen aus 33 stationären Hospizen. Im Vergleich mit den
Vorjahren beteiligten sich etwa gleich viele Hospizdienste, die
einzelnen Dienste leisteten aber mehr Begleitungen. Auf der
Basis der im „Wegweiser Hospiz und Palliativmedizin“
verzeichneten Adressen wurde eine Schätzung der Gesamtzahl der
ambulanten und stationären Hospizeinrichtungen vorgenommen und
danach sowohl der Anteil der an der Statistik teilnehmenden
Einrichtungen als auch die Gesamtzahl der hospizlichen
Sterbebegleitungen in Deutschland geschätzt. Tabelle 1:
Angenommene Grundgesamtheit von Hospizeinrichtungen und Anteil
der an der BAG Statistik teilnehmenden Einrichtungen:
| Hospizeinrichtungen in Deutschland |
geschätzte Zahl Dienste |
teiln. Einricht. abs. |
teiln. Einricht. in Prozent |
| Amb. Hospizinitiativen / -gruppen (AH) |
710 |
9 |
1% |
| Ambulante Hospizdienste (AHD) |
210 |
19 |
14% |
Ambulante Hospiz- und
Palliativberatungs- /
bzw. Pflegedienste (AHPD) |
160 |
36 |
23% |
| Stationäre Hospize (SH) |
115 |
33 |
29% |
| insgesamt |
1195 |
107 |
9% |
Es zeigt sich: Je höher der Anteil der Hauptamtlichen in
der Hospizarbeit, d.h. je „beruflicher“ die Arbeit organisiert
ist, desto eher sind die Dienste bereit, sich an der
bundesweiten statistischen Erhebung zu beteiligen. Die
Aussagen der BAG-Statistik werden damit mit zunehmendem
Hauptamtlichenanteil sicherer. Aus den Mittelwerten der
durchgeführten Begleitungen und der geschätzten Zahl der Dienste
lässt sich die Gesamtzahl der hospizlichen (Sterbe-) Begleitungen
in Deutschland ableiten: Tabelle 2: Anzahl der begleiteten Menschen in Deutschland
|
Einrichtungstypen |
MW durch-
geführte Begl. |
Gesamtzahl Einrichtungen |
Gesamtzahl Sterbe-
begleitungen |
| Amb. Hospizinitiativen / -gruppen (AH) |
22 |
710 |
15.620 |
| Ambulante Hospizdienste (AHD) |
38 |
210 |
7.980 |
Ambulante Hospiz- und
Palliativberatungs- /
bzw. Pflegedienste (AHPD) |
60 |
160 |
9.600 |
| Stationäre Hospize (SH) |
115 |
10.925 |
29% |
| insgesamt |
- |
1.195 |
44.125 |
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr
2004 insgesamt 818.271 Menschen. In ambulanten
Hospizeinrichtungen wurden im selben Jahr insgesamt 33.200
Sterbebegleitungen durchgeführt. Damit wurden 4 % aller
Sterbenden in ihrer letzten Lebenszeit durch ambulante
Hospizdienste betreut. In stationären Hospizeinrichtungen
wurden 10.925 Menschen und damit 1,3 % aller Sterbenden
gepflegt und begleitet.2
Auswählte Ergebnisse ambulante Hospizarbeit
Das Durchschnittsalter der Begleiteten betrug rund 72 Jahre
alt, die Spanne der Lebensalter reichte von ein paar Monaten bis
zu 106 Jahren. Insgesamt wurden 58 % Frauen und 42 % Männer
betreut. Da es einzelne Begleitungen gab, die über viele Jahre
dauerten (bis zu rund 8 Jahren) wurde bei der Berechnung der
durchschnittlichen Begleitungsdauer eine Grenze von 900
Tagen (rund 2,5 Jahre) gezogen, um den Einfluss der überlangen
Begleitungen auf den Mittelwert zu eliminieren. Die
Durchschnittdauer der Begleitungen betrug damit rund 68 Tage.
Der Median liegt bei 18 Tagen, d.h. 50 % aller Begleitungen im
ambulanten Bereich waren bis zum 18. Tag abgeschlossen. Der
Kontakt zum ambulanten Hospizdienst wurde am häufigsten
durch die Angehörigen hergestellt (34 %), gefolgt vom
Krankenhaus (17 %), Pflegediensten (12 %) und Heimen (10 %).
Interessant erscheint, dass von Palliativstationen kaum
Kontaktanfragen kommen (4,9 %), beinahe so selten wie von den
Patienten selbst (4,6 %). Als Grund des Kontakts
konnten mehrere Antworten gegeben werden, da es sich bei der
Entscheidung, einen ambulanten Hospizdienst zu kontaktieren,
vermutlich meist um ein Bündel von Gründen handelt. In knapp 75
% der gültigen Fälle3
war „Beistand am Lebensende“ angekreuzt, in 51 % der Fälle
„Überlastung der Angehörigen“, „Schmerzen“ waren zu 18 %
angegeben, „Sonstiges“ zu knapp 15 %, „Pflegeprobleme“ und
„andere körperliche Beschwerden“ zu knapp 14 %. Betrachtet man
die Wohnsituation der Begleiteten, zeigt sich, dass
deutlich über die Hälfte der Patienten (57 %) gemeinsam mit
Angehörigen wohnten, 24 % alleine, 17 % im Heim und 3 % in
sonstigen Einrichtungen (z.B. betreutes Wohnen).
Begleitungsbeginn war bei 55 % der Begleitungen „Zuhause“.
Definiert man das „Heim“ ebenfalls als „Zuhause“ – nämlich als
das letzte Zuhause der Heimbewohner mit postalischer Adresse –
dann fand der Anfang der Begleitungen sogar zu fast 70 % in den
eigenen vier Wänden der Begleiteten statt. Etwas über ein
Viertel der Patienten lagen zu Beginn der Betreuung im
Krankenhaus. Gruppiert man die Diagnosen in „bösartige
Neubildungen“ und „andere Erkrankungen“, zeigt sich, dass in der
Grundgesamtheit die Krebserkrankungen mit 73 % deutlich
überwiegen, 27 % waren „andere Erkrankungen“ (außer Krebs). Die
deutlich am häufigsten vorkommenden Diagnosen waren bösartige
Neubildungen der Verdauungsorgane mit 22 %, gefolgt von
bösartigen Neubildungen der Atmungs- und intrathorakalen Organe
mit 12 %. Die Kategorie „ungenau bezeichnete, unbekannte,
seltene Todesursachen“ mit rund 10 % fungierte als
Sammelkategorie, d.h. hier wurden unbekannte oder ungenau
bezeichnete, aber auch in der Grundgesamtheit nur sehr selten
vorkommende Erkrankungen kodiert. Die Symptome zu
Beginn der Begleitung wurden wieder als Mehrfachantworten-Set
konzipiert, d.h. in die Auswertung gingen alle Fälle ein, bei
denen mindestens eine Angabe zu „Symptome“ vorlag. Die meisten
Patienten litten dabei an mehreren Symptomen. Mit 89 % liegt
„Schwäche“ als Symptom am häufigsten vor, gefolgt von
„Müdigkeit“ mit rund 64 %, rund 50 % der Patienten litten
jeweils unter „Appetitlosigkeit“ und 49 % unter „Schmerzen“,
rund 33 % unter „Angst“ und 30 % unter „Unruhe“. 29 % waren
kachektisch, 23 % hatten Atemprobleme. Mit rund 37 % starben
die meisten Patienten zu Hause (zunächst unabhängig davon, wo
die Begleitung begann). „Auf einer anderen Klinikabteilung“
(außer einer Palliativstation) verstarben 16 %, im Pflegeheim
rund 15 %, im stationären Hospiz rund 9 %. Andere
Abschlussgründe als „Tod“ (z.B. Besserung der Situation, Kontakt
nicht mehr erwünscht, Umzug) wurden nur zu weniger als 5 %
genannt. Betrachtet man den Sterbeort differenziert nach dem
Aufenthaltsort zu Beginn der Begleitung, dann konnten von den
Patienten, deren Begleitung zu Hause begann, immerhin 55 % auch
zu Hause sterben. Von den Patienten, die zu Beginn im
Krankenhaus lagen, starben 32 % zu Hause. Erwartungsgemäß starb
der weitaus größte Teil der Begleiteten aus Altenheimen auch
dort, nämlich 73 %. Ausgewählte Ergebnisse stationäre
Hospizarbeit
Insgesamt wurden 3.120 Begleitungen in 33 stationären
Hospizen ausgewertet. Im Mittel begleiteten die Hospize im Jahr
2004 95 Patienten. Die Spanne der Begleitungsanzahl lag zwischen
11 und 270 Begleitungen. Im Durchschnitt waren die Patienten 70
Jahre alt. 56 % der Patienten waren weiblich, 44 % männlich.
Um den verzerrenden Einfluss sehr langer Begleitungen
auszuschließen, wurden bei der Berechnung der Aufenthaltsdauer
alle Begleitungen ausgeschlossen, die länger als 180 Tage
dauerten. Der Mittelwert der Begleitungsdauer in stationären
Hospizeinrichtungen lag dann bei 22 Tagen, bei einem Median von
11 Tagen. 54 % der Patienten wohnten gemeinsam mit
Angehörigen, 43 % allein. Mit 2 % kamen erwartungsgemäß nur sehr
wenige Heimpatienten ins stationäre Hospiz. 72 % der Patienten
kamen aus dem Krankenhaus, 26 % von zu Hause. Bei 60 % der
Patienten, die bei der Kontaktaufnahme im Krankenhaus lagen,
stellte das Krankenhaus den Kontakt zum stationären Hospiz her,
bei den restlichen Krankenhauspatienten übernahmen andere die
Kontaktherstellung (z.B. die Angehörigen). Mit Blick auf die
Daten aus dem ambulanten Bereich lässt sich sagen, dass hier bei
den Beteiligten eine Präferenz „stationär nach stationär“
aufscheint. Die Alternative „ambulant nach stationär“ wurde
deutlich seltener gewählt. Bei den Aufnahmegründen
(Mehrfachantworten möglich) wurden mit 85 % „ambulante Pflege
nicht ausreichend“ am häufigsten genannt, gefolgt von
„Überlastung Angehörige“ mit 67 %, „Schmerzen“ mit 56 % und
„andere körperlichen Beschwerden“ mit 46 %. „Sonstiges“ ist mit
5 % zu vernachlässigen. Da mehrere Antworten gegeben werden
konnten, handelte es sich meist um ein Bündel von
Aufnahmegründen. Tendenziell zeigte sich, dass häufiger
Pflegeprobleme und Angehörigenüberlastung zur Aufnahme in ein
stationäres Hospiz führen als medizinisch zu behandelnde
körperliche Symptome. Daraus lässt sich ableiten, dass die
ambulante Hospizversorgung sowohl im pflegerischen als auch
psychosozialen Bereich noch weiter verstärkt werden muss. Im
stationären Bereich wurden zu 91 % Krebspatienten begleitet;
andere Erkrankungen wie Krankheiten des Nervensystems,
Stoffwechselerkrankungen, Kreislauferkrankungen etc. kamen nur
zu 9 % vor. Der Bereich „Symptome“ wurde wieder als
Mehrfachantworten-Set ausgewertet. 91 % der Patienten litten an
„Schwäche“, 70 % an „Schmerzen“, 61 % an „Müdigkeit“, 57 % an
„Appetitlosigkeit“, 40 % an „Unruhe“, 39 % an „Angst“, 39 % an
„Kachexie“, 32 % an „Atemnot“. Zu 98 % starben die Begleiteten
im Hospiz, nur in 2 % aller Fälle gab es einen anderen
Abschlussgrund (wie z.B. Verlegung in ein Altenheim). Die
referierten Daten sind ein Ausschnitt aus den Ergebnissen der
BAG-Statistik. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die
Geschäftsstelle der BAG Hospiz.4
1
Im ambulanten Bereich wird ein einheitlicher Fragebogen
eingesetzt. Die Eingangsfrage nach dem Typ der teilnehmenden
Einrichtung lässt eine Differenzierung der Daten zur ambulanten
Arbeit nach den unterschiedlichen organisatorischen und
personellen Merkmalen der ambulanten Hospizdienste zu. Zugrunde
liegen die von der BAG Hospiz im Jahr 2001 entwickelten
Definitionen, die vier Organisationstypen von ambulanten
Diensten mit je unterschiedlichen strukturellen Merkmalen
unterscheiden.: Ambulante Hospizinitiativen bzw. Hospizgruppen
(AH) mit ausschließlich ehrenamtlichen MitarbeiterInnen;
Ambulante Hospizdienste (AHD) mit mindestens 10 befähigten und
einsatzbereiten Ehrenamtlichen sowie einer hauptamtlichen
Koordination mit mindestens 0,5 VZA (=VollzeitÄquivalent);
Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienste (AHPB) wie AHD
und zusätzlich mindestens eine hauptamtliche
Palliative-Care-Pflegekraft mit 0,5 VZA, die
palliativpflegerische Beratungen durchführt; Ambulante Hospiz-
und Palliativpflegedienste (AHPP) wie AHPB und zusätzlich
hauptamtliche Palliative-Care-Pflegekräfte mit mindestens 3 VZA,
die bei Bedarf (palliativ-) pflegerische Versorgung leisten
können. Für die Auswertung wurden die AHPBs und die AHPPs zu
AHPDs (Ambulanten Hospiz- und Palliativdiensten)
zusammengefasst. Aus Platzgründen kann hier jedoch nur an
wenigen Stellen nach den ambulanten Organisationstypen
differenziert werden.
2
Bei Prozentangaben, die sich auf die Gesamtzahl der
Sterbenden beziehen, ist allerdings zu beachten, dass nicht alle
Gestorbenen zum Hospizklientel gehören. Beispielsweise werden
dort auch Unfallopfer, Menschen, die bis zum Ende ihre
Erkrankung bekämpfen, oder Personen, die ihrem Leben ein Ende
setzen, gezählt, die Hospizbegleitung nicht in Anspruch nehmen
können oder würden.
3 Als „gültig“ wurden alle Fälle gewertet, in
denen in der Fragenbatterie mindestens ein Kreuzchen zu finden
war.
4
Kontakt: Dr. Christine Pfeffer, Geschäftsstelle BAG
Hospiz, Am Weiherhof 23, 52382 Niederzier; Tel.: 02428 802937,
Tel.: 02428 802892, Email: ; Homepage:
www.hospiz.net |